Freak-Show
Manchmal gehe ich einfach durch die Straßen, tauche ein in die Welt von Hast, Kommerz und Egoismus. Beobachte und runzle meine Stirn, denn eigentlich ist es für mich schwer zu begreifen, wie das Leben an all den Lebenswilligen vorbeizieht.
Falls ihr das auch manchmal macht, so werdet ihr sicherlich bemerkt haben, das der Blick meist geradeaus geht. Kein Links oder Rechts, nur leicht gesenkt und geradeaus. Der gesenkte Kopf scheint dabei zu sagen, sprich mich nur nicht an. Der starre Blick nach vorn soll dabei scheinbar nicht durch Unerwartetes oder gar Schönes abgelenkt werden.
Manchmal wird dann doch der Blick aus seiner Starre gerissen, versucht sich jedoch gleich wieder zu fangen. Was ist passiert das die Welt um uns herum kaum noch wahr genommen wird. Kinder weinen und kaum einer bemerkt es, Leute werden verprügelt wegen eines Blicks, der scheinbar nicht geradeaus ging. Müll überflutet uns, geistiger und materieller Müll.
Bei meinen Spaziergängen durch die Stadt, die sich Hauptstadt nennt, fallen mir dann hin und wieder Menschen auf, die der Starre entflohen sind. Sie liegen auf Wiesen, Lachen, Scherzen und freuen sich über Dinge, die selbstverständlich und doch meist unbemerkt bleiben. Das Spiel von Mimik und Sprache scheint kaum noch zu interessieren. Nur einigen wenigen, die nicht fixiert sind in ihrer Ausweglosigkeit.
Manchmal werde ich von einigen als Freak bezeichnet. Doch bei meinen Spaziergängen durch Straßen und Gassen frage ich mich dann, wer eigentlich Teil der Freak-Show ist. Bin ich der Freak oder sind es all die anderen, die nicht versuchen über ihren Schatten zu springen, die nichts riechen, schmecken, fühlen und erleben wollen. Die nur schnell fliehen in die Trostlosigkeit ihres Lebens.
Ist es Leben, wenn man sich kaum noch an Schönem erfreuen kann, sich nicht mehr erschrecken oder keine Gefühle nach außen tragen möchte?
Oft sind es einfache Klänge, die mich beflügeln, Gerüche, die mich inspirieren und ein Lächeln oder eine Träne, die mich zum Nachdenken animiert. Wahrnehmung leben, machen das Freaks oder sind es nicht die kleinen Dinge, die uns erst daran erinnern, wie schön es sein kann, wenn man lebt.
Es tut mir leid, aber ich lächle gern, rieche gern, fühle gern und bin gerne Mensch.